Dirndltaler Wissensbasis (Projekt)
ein Projekt der ARGE Dirndltaler Wissensbasis Laufzeit: 2009-2011
Ausgangssituation
Die Naturausstattung des Pielachtales ist durch ihren Reichtum und ihre Abgeschlossenheit eine wichtige ökologische und touristische Ressource. Die Halbkulturpflanze Dirndl steht stellvertretend für die Doppelfunktion zwischen Natur- und Kulturlandschaft und ist eine Metapher für die durch nachhaltige Bewirtschaftung gesteuerte Traditionslandschaft. Das Verständnis für die Schönheiten und Eigenheiten der Dirndltaler Kulturlandschaft, ihre „Herzeigbarkeit“ hängt neben guten Vermittlungsschienen auch in hohem Maße von einem abgerundeten Gesamtbild ab, das auf gesichertem Wissen bestehen muss.
Fundierte regionale Naturkenntnisse speziell über die Besonderheiten der zum Teil in Vergessenheit geratenen Dirndlsträucher sind derzeit nur wenigen Talbewohnern eigen. Eine Dirndl-Datenbank soll helfen zu belegen, dass man im niederösterreichischen Dirndltal tatsächlich alles über Dirndln erfahren kann. Die Bereitstellung der Informationen über eine offene Wikiplattform soll auch zusätzliche Innovationen anregen.
Neben der Markenprofilierung als „Tal der Dirndln“ hat es sich das Pielachtal in seiner Talstrategie auch zum Ziel gesetzt, nachhaltigste Region in Niederösterreich zu werden. Eine für alle Bevölkerungsschichten verständliche Aufbereitung der Nachhaltigkeitsthemen der Region fehlt jedoch bisher.
Der Aufbau einer regionalen, kollektiven und offenen Wissensplattform mit dem Arbeitstitel „Dirndltaler Wissensbasis“ soll daher einerseits das vorhandene naturrelevante Wissen sowie regionale Nachhaltigkeits-Themen zusammentragen, fehlende Grundlageninformationen erheben und allgemeinverständlich aufbereiten, andererseits in einer Reihe von traditionellen Vermittlungsangeboten (Broschüren, Info-Veranstaltung, Info-Tafeln) der Bevölkerung zugänglich machen.
Recherchen
Das zerstreute sektorale Wissen zu talrelevanten Themen soll durch eine gründliche Literatur-Recherche aufgearbeitet werden. Zusätzlich werden „regionale Experten“ aufgespürt und interviewt. Dazu gehört auch die Befragung von lokalen Naturkennern und engagierten „Laien“. Botanische und ökologische Grundlagen über den Dirndlstrauch sowie anerkannte Bewertungsmodelle für Nachhaltigkeit bilden die fachliche Grundlage. Vor diesem Hintergrund werden die Rechercheergebnisse durch Beiziehen von Experten und Erfahrungsberichte aus anderen Regionen in den Bereichen Natur und Nachhaltigkeit fachlich ausdiskutiert und in ihrer Aussage geschärft.
Kartierungen
Für die konkrete Umsetzung der Dirndltaler Wissensbasis ist eine möglichst genaue Kartierung von regionalen Besonderheiten speziell der Vorkommen des Dirndlstrauchs, herausstechender Kulturlandschaftselemente und von Vorzeigebeispielen regionaler Nachhaltigkeitskomplexe erforderlich. In diesem Feld liegen die wahrscheinlich größten Wissens- und Forschungsdefizite.
Das vorhandene ökologische Wissen rund um den Dirndlstrauch lässt Schlüsse zu, wo sich die größten Dirndlbestände finden lassen (Südhänge, Waldsäume, Weiden). Auf diesen Flächen wird mit Hilfe von regionalen Karten und Luftbildern die Kartierung begonnen. Eine flächendeckende Kartierung der gesamten Region ist weder sinnvoll noch im Rahmen dieses Projektes möglich. Eine sorgfältige Vorbereitung der genauen Vorgehensweise spart sehr viel Zeit bei der Arbeit im Freiland. Die Kartierung erfolgt dann unter Zuhilfenahme eines GPS-Gerätes. Das exakte Festhalten der Koordinaten von Dirndlpflanzen und –beständen ermöglicht im Rahmen der Auswertungen einfache und zugleich anschauliche Kartendarstellungen. Um auch Aussagen über Größe, Zustand und Beerntbarkeit der Sträucher treffen zu können, müssen Kartierungsunterlagen erarbeitet werden, die einfach zu hantieren, und doch aussagekräftig sind.
Für die Geländebegehung (Detailkartierung) werden regionale Natur- und Wanderführer eingeschult. Sie kennen die Region, den Dirndlstrauch und auch die Grundbesitzer am besten, sind jederzeit abrufbereit, und ermöglichen so eine rasche und kostengünstige Datenerhebung. Gerade bei der Dirndlkartierung ist es extrem wichtig während der Blütezeit im Gelände zu sein, da die Sträucher dann auch von größerer Entfernung relativ leicht auszumachen sind. Die Blütezeit des Dirndlstrauchs zieht sich über drei bis vier Wochen im Jahr und zwar je nach Witterung und nach Höhenlage zwischen Ende Februar bis Mitte April. Daher ist es extrem wichtig, abrufbereite Kartierer vor Ort zu haben. Die Daten, die die Detailkartierer im Gelände sammeln (Geländekoordinaten, Strauchbeschreibungen) müssen regelmäßig in eine gemeinsame Datenbank eingepflegt werden. Im Zuge dessen sollte zur Qualitätssicherung auch ein Austausch zwischen den Kartierern stattfinden.
Auf Basis der gesammelten Daten können dann fundierte Aussagen über Größe und Verteilung der Dirndlbestände im Pielachtal gemacht werden, sowie Abschätzungen über mögliche Erntemengen errechnet werden. Auch gezieltes Freischneiden überwucherter Altbestände ist geplant, da solch alte Strauchexemplare innerhalb weniger Jahre enorme zusätzliche Erntemengen bringen können. Neupflanzungen von autochtonem Material dagegen brauchen meist Jahrzehnte bis die Fruchtausbeute eine wirtschaftlich sinnvolle Menge erreicht.
Wikis
Als Drehscheibe für diese Wissenssammlung soll eine regionale Wiki-Farm eingesetzt werden, also ein Netzwerk von einzelnen, miteinander verlinkten Themen-Wikis. Ein Wiki ist die softwaremäßige Umsetzung eines Hyperlink-Systems, bei dem mehrere Benutzer gemeinsam und gleichzeitig das jeweilige Sachwissen in das System einpflegen, strukturiert darstellen und jederzeit den aktuellsten Informationsstand abrufen können.
In einer ersten Ausbaustufe besteht die Wiki-Farm aus den beiden Themenwikis zu den Sektoren Dirndl (als Galionsfigur für den Talraum) und Nachhaltigkeit (dargestellt an regionalen Beispielen).
Öffentlichkeitsarbeit
Wikis stellen eine sehr flexible und dynamische Form der Inhaltsvermittlung dar, kommen aber aufgrund traditioneller Lesegewohnheiten nicht an die Unmittelbarkeit und physische Konkretheit von Printmedien heran. Um zu vermeiden, dass die regionalen Wikis nur wenigen Insidern vorbehalten bleiben, ist es erforderlich zur Öffentlichkeitsarbeit auf traditionelle Medien zurückzugreifen. Geplant sind im Zuge des Projektes daher eine Themenbroschüre, ein Newsletter, ein Roll-up für Veranstaltungen sowie eine Serie von Informationstafeln.